24.09.2005
Herbstübung in der Electrovac Salzweg
Übung bei Electrovac: Viele Gaffer, wenig Platz
Acht Feuerwehren mit 104 Kräften im Einsatz - Rettungsdienst und Betrieb proben den Ernstfall - Kritik an Schaulustigen
von Theresia Wildfeuer
Salzweg. „Galvanikunfall bei Electrovac. Giftige Nitrosegase ausgeströmt!“ - die Hacht & Huber GmbH in Salzweg hat den Ernstfall geprobt. Acht Feuerwehren mit 104 Einsatzkräften und 32 Rettungsleuten des Malteser Hilfsdienstes (MHD) nahmen mit Geschäftsführer Ingo Pfeil und seinen Mitarbeitern an der groß angelegten Katastrophenschutzübung teil.
„Zum Glück ist es nicht ernst“, fanden Betriebsrätin Maria Eckinger und Renate Schmutzer von der Personalabteilung. Aufgeregt warteten sie mit elf „verletzten“ Kollegen, Betriebsleiter Pfeil, Betriebsarzt Dr. Josef Meisl aus Hutthurm und Artur Assmann, Sicherheitsbeauftragter der Firma, auf Hilfe. Erst beim zweiten Anlauf klappte der Notruf, dann aber ging es Schlag auf Schlag: Die Feuerwehren Salzweg, Straßkirchen, Oberilzmühle, Grubweg, Hutthurm, Thyrnau, Leoprechting und Hötzdorf trafen ein. Auch mehrere Malteser-Rettungswägen brausten an. Doch der Platz war eng und man behinderte sich zunächst gegenseitig. Kreisbrandinspektor Alois Fischl und Einsatzleiter Rupert Weidinger, Kommandant der Salzweger, erkundeten die Lage. Oberste Priorität habe, sagte Weidinger bei der anschließenden Lagebesprechung, die Befreiung der Verletzten gehabt. An zweiter Stelle sei die Eindämmung der Brandausbreitung gestanden. Dazu wären weitere CSA-Träger nötig gewesen, da deren Luftvorrat nur für 20 Minuten ausreicht, was bei den beengten Platzverhältnissen auf dem Firmengelände schwierig sei. Kreisbrandrat Josef Ascher räumte ein, dass „vieles nicht optimal gelaufen“ sei. Besonders kritisierte er, dass Feuerwehrleute und die zahlreichen Schaulustigen mit ihrem eigenen Leben sehr leichtsinnig umgegangen seien. Er forderte, beim nächsten Mal großräumig abzusperren und die Fehler aufzuarbeiten, damit die Einsatzkräfte im Ernstfall effektiv helfen könnten.
Gerhard Altendorfer, Einsatzleiter des Landratsamtes, fand den Ablauf der medizinischen Hilfeleistung in Ordnung. Die Verletzten seien den Sanitätern vor der Firma übergeben worden, da diese die Betriebsgebäude nicht betreten konnten. Im Ernstfall müssten hier auch Hubschrauber landen können. Entsprechend den Windverhältnissen würde hierfür die Passauer Straße in Frage kommen. Dies müsse eingeplant werden. Er riet der Firma, Notfallmedikamente zu bevorraten. Roland Bucher vom MHD bemängelte, dass den Sanitätsleuten Wasser gefehlt habe, um Patienten, die mit Giften in Berührung gekommen seien, spülen zu können. Bürgermeister Horst Wipplinger, selbst aktiver Feuerwehrler, würdigte den Einsatz aller Helfer, der Firmenleitung und Mitarbeiter. Die Großübung habe unter erschwerten Bedingungen stattgefunden, weil die Schulstraße gerade geteert werde.
Der Betrieb mit derzeit 240 Mitarbeitern produziert vor allem sicherheitstechnische Einrichtungen für Fahrzeuge, wie Airbag- und Reifendrucksensoren. Zur Oberflächenbehandlung der Produkte kommen giftige Stoffe in Einsatz. Das Endprodukt sei jedoch giftfrei, betonte Pfeil.



