Gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten: Im voll besetzten Saal gehen laufend die Hände nach oben – und auch die „Austräger“ dürfen mitbieten.
26.12.2010
Ein Brauch, bei dem es nur Gewinner gibt
von Sabine Süß
Christbaumversteigerung in Straßkirchen−Wundertüten, Brotzeiten und eine Krippe unter dem Hammer
Straßkirchen. Wer der Bedienung winkt, für den kennt Josef Heisl keine Gnade: „17 Euro sind geboten“, ruft er und der Durstige zuckt zusammen. „18 Euro, 19, 20“ − Schlag auf Schlag geht’s weiter. Glück gehabt: Die Wundertüte geht an jemand anderen. Der Durstige hat die wichtigste Regel bei der Christbaumversteigerung verstanden: „Nur dann die Hand heben, wenn ihr auch wirklich steigern wollt“, erklärt Heisl. Er ist seit acht Jahren als Versteigerer imEinsatz und kennt die Arbeit, die hinter der Organisation einer solchen Veranstaltung steckt, die in der Regel zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag abgehalten wird. Ein Blick hinter die Kulissen.
Stephanitag, 19.30 Uhr: Max Gruber, der zweite Vorsitzende der Feuerwehr Straßkirchen, Kommandant Christian Nestler und ihr Team stehen vor der Bühne im Gemeindesaal. Über 50 Waren und gut 20 „Wundertüten“ sind dort aufgebaut. „Unsere Geschäftsleute und Gönner des Vereins haben fleißig gespendet“, freut sich Gruber. Vier Wochen zuvor waren er und seine Vorstandskameraden im Ort unterwegs gewesen und hatten um Spenden für die Christbaumversteigerung gebeten. „Jeder hat etwas gegeben - denn die Leute wissen, dass das Geld komplett für die Ausstattung der Feuerwehr verwendet wird“, sagt er, während er dabei hilft, die letzten Wundertüten zu packen. „Da drin sind viele kleinere Waren - vom Auto-Enteiser bis zur Zange“, erklärt Gruber. Ab einem Euro werden die Tüten später angeboten - doch keine geht unter zehn Euro weg.
19.45 Uhr: Josef Heisl trägt ein großes Glas Wasser auf die Bühne. Sind die Salbeibonbons da? „Die brauch’ ich, falls später da oben die Stimme versagt“, meint er und zwinkert gut gelaunt. „Da oben“, das heißt auf der Bühne, hinter all den dargebotenen Waren. Dort strahlen die Scheinwerfer besonders hell und es ist kein Wunder, dass Heisl viel zu trinken braucht. Schließlich muss er dafür sorgen, dass alles - von der selbst gebauten Krippe bis zum Kinderkleid - an den Mann kommt. Dabei ist es gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten. Immerhin sitzen rund 130 Leute im Saal, mal hebt dort einer die Hand, mal bietet am anderen Ende einer mit. Doch Heisl hat Erfahrung, unterstützt seit Jahren die Feuerwehr sowie den Veteranen- und Reservistenverein, die sich jährlich bei der Ausrichtung der Christbaumversteigerung abwechseln.
19.55 Uhr: Josef Heisl schwört seine „Austräger“ ein: „Heut’ müsst ihr schnell sein, wenn ihr die Waren zu den Bietern bringt und kassiert.“ Denn die Tische stehen eng beieinander und Verzögerungen darf es nicht geben. Peter Meisinger, Johann Puffer, Thomas Mindl und Maximilian Zillner postieren sich schon mal vor der Bühne.
Dann geht’s endlich los - mit einem gemeinsam gesungenen „Stille Nacht“. „Schließlich ist immer noch Weihnachten“, sagt Max Gruber zur Begrüßung. Und schon steht Josef Heisl auf der Bühne, hält eine Flasche „Hochprozentigen“ hoch. Fünf Euro, sechs Euro, sieben Euro - jetzt wird gesteigert, was das Zeug hält. Schließlich will jeder etwas mit nach Hause nehmen. Und manchmal kommt’s auf den wahren Wert der Ware gar nicht an. Etwa, als die Schwieginger Feuerwehrkameraden dem Straßkirchner Stefan Bauer seine Brotzeitplatte so gar nicht gönnen wollen. Überhaupt sind die Brotzeiten heiß begehrt: Geräuchertes, Presssack und Brezen - keiner der voll gepackten Teller geht unter 20 Euro weg, bei der Schweinshaxn geht’s gar bis über 30 Euro hinauf. Da hat der frühere 1. Vorsitzende Hermann Engl viel zu tun. Er richtet im Hintergrund die Platten her, mit dem Geräucherten, das er selbst eingesurt und Josef Ranzinger jun. für die Feuerwehr geräuchert hat.
Josef Heisl hat währenddessen viel zu tun da oben auf der Bühne: Es geht um ein Tragerl Bier und die Hände sausen nur so in die Höhe. Doch nicht nur Ess- und Trinkbares ist begehrt. Auch die Wundertüten finden ihre Abnehmer. Und das Auspacken und „Wundern“ ist da schon der halbe Spaß: So sind alle Tischnachbarn neugierig, als Josef Knon sein Überraschungspaket durchstöbert. 17 Euro hat er dafür bezahlt „und dabei noch 20 Euro verdient“, meint er lachend und stellt Enteiser, einen Rauchmelder, einen Kalender, Werkzeug und weitere Kleinigkeiten auf den Tisch. Ein Schnäppchen - doch darum geht’s gar nicht in erster Linie. Viel wichtiger ist der Spaß, den das Steigern und Überbotenwerden, das Weiterbieten und Zuschlagbekommen machen. Das sieht auch Eva Friedl so, auf deren Tisch schon einige frisch gesteigerte Schätze liegen. Und es geht weiter: Für elf Euro geht eine Wundertüte in ihren Besitz über. Dominosteine, Lebkuchen und andere Leckereien kommen da zum Vorschein - „und der Asti Cinzano Rose allein war das Geld schon wert“, freut sie sich. Auch die wirklich großen Dinge erzielen einen guten Preis: Auf 205 Euro wird die selbst gebaute Krippe hinauf gesteigert, bevor sie in Hans Reitbergers Besitz übergeht.
Ja, die Austräger haben viel zu tun und auch Josef Heisl ist froh über die gelegentlichen Pausen, die ihm Zeit zum Verschnaufen geben. Für die Feuerwehrkameraden aber geht’s auch da weiter. Denn die Frauen haben 22 Torten gespendet, die in der Pause verlost werden. Manfred Bauer, einer der beiden vom „Sojzweger Zwoagsang“, spielt Weihnachtslieder und andere Melodien, die Steigerer zeigen sich gegenseitig ihre Errungenschaften und überhaupt amüsieren sich alle prächtig. Einer der Hauptgründe, warum sie die Christbaumversteigerung besuchen - denn gute Unterhaltung ist dabei immer geboten.
Christbaumversteigerung der Feuerwehr
von Josef Heisl
Straßkirchen. „Ein besonderes Vorbild für die Jungen sind Männer wie Robert Grubmüller“, fuhr der Kommandant fort und überreichte diesem das Ehrenzeichen in Gold, des Bayerischen Feuerwehrverbandes. Kreisbrandmeister Josef Thoma, vor Jahresfrist noch Kommandant der Straßkirchner Wehr, meinte dazu, dem Geehrten gebühre Dank und Anerkennung für seinen langen Dienst am Nächsten. Wenn man die große Zahl von Mädeln und Burschen der Jugendwehr sehe, dann brauche man auch keine Sorge für die Zukunft haben. Auch Bürgermeister Horst Wipplinger lobte die hervorragende Jugendarbeit. Aber auch die Durchführung des Jubiläumsfestes habe gezeigt, was der Verein leisten könne. Wipplinger dankte für die großen Eigenleistungen, beispielsweise beim Bau des Feuerwehrhauses und bei der Beschaffung von Fahrzeugen und Gerät. „Ich bin stolz auf diese großartige Wehr“, schloss der Bürgermeister.
Max Gruber übergab dann die Ehrenurkunden für langjährige Mitgliedschaft und damit Treue zum Feuerwehrverein. Für 50 Jahre wurden geehrt Ehrenvorstand Xaver Waldbauer, Josef Draxinger, Josef Grubmüller, Rudi Moritz, Martin Ranzinger sen., Alois Schiermeier, Johann Stemp, Max Winkler und Matthias Stockbauer. Für 60 Jahre: Johann Eichinger, Max Girmindl, Josef Grebacher sen., Michael Heindl, Georg Ketzinger, Max Küblböck und Josef Ranzinger. 73 Jahre bei der Feuerwehr ist Johann Puffer, der wegen einer Erkrankung die Ehrung nicht persönlich entgegen nehmen konnte.
Die Feier wurde in würdiger Form musikalisch umrahmt vom „Straßkirchner Dreigsang“ mit Bärbel Neumüller, Daniela Schreiner und Bärbel Eder, an der Zither Annette Michetschläger und Pia Neumüller auf der Knopfharmonie. Jetzt freuen sich alle auf die Friedenslichtaktion der Jugendwehr am 24. Dezember ab 12 Uhr und die Christbaumversteigerung am 26. Dezember im Gemeindesaal.



