02.09.2009

Feuer wütet auf Reiterhof

Stadel in Obersatzbach abgebrannt - Alle Pferde konnten gerettet werden - Turnier findet trotzdem statt

Von Simone Kuhnt und Christine Pierach

Thyrnau. Bei einem Feuer in Obersatzbach (Gemeinde Thyrnau, Lkr. Passau) ist in der Nacht zum Donnerstag das Obergeschoss eines Reiterhof-Stadels völlig ausgebrannt. Als Angehörige des Hofes am Satzbach abends mit Reiterfreunden auf der Terrasse saßen, brach in der gegenüberliegenden Stallung gegen 22.30 Uhr in kürzester Zeit ein Feuer aus. Geistesgegenwärtig verständigten sie Feuerwehr und Polizei. Während das Obergeschoss bereits lichterloh in Flammen stand, gelang es den Hofangehörigen, alle 13 Pferde aus dem Gebäude zu retten. Im Einsatz waren neun Feuerwehren aus dem Umkreis. Sie löschten den Brand von außen mit Wasser und sicherten das Wohnhaus und zwei Nebengebäude vor einem Übergreifen des Feuers.

Nach ersten Schätzungen der Polizei beläuft sich der Sachschaden auf rund 100 000 Euro. Personen wurden nicht verletzt. Die Brandursache ist noch unklar, die Kripo Passau ermittelt.

Die Mauern im Erdgeschoss des Stadels sind aus Beton. Das Obergeschoss, in dem Heu gelagert war, bestand aus einer Holzkonstruktion, von der nur die verkohlten Balken noch stehen. Der Polizei zufolge gab es im Gebäude eine elektrische Leitung für das Licht und einen mechanischen Ballenheber, der Heuballen in den Stadel befördert. Die Stallungen im Erdgeschoss verfügten über eine feuerfeste Decke, sagte Eva Böhmisch (30). Die junge Hofbesitzerin, Tochter des 1. Vorsitzenden der Reitergruppe Satzbach, Ludwig Böhmisch (68), und Jugendwartin des Vereins, wurde von ihrer Familie geweckt, als das Feuer ausbrach. Sie half, die 13 Rösser auf Weiden, Freiboxen und dem Sandplatz in Sicherheit zu bringen. Weitere vier Pferde aus einem Nebenstall wurden ebenfalls an einen sicheren Ort gebracht.Angerückt waren die Feuerwehren Thyrnau, Donauwetzdorf, Kellberg, Salzweg, Grubweg, die Werksfeuerwehr der Zahnradfabrik sowie die Wehren Büchlberg, Straßkirchen und Obernzell.
Auch fünf Rettungskräfte waren am Brandort. Sie betreuten die unverletzte, aber aufgeregte Berta Romberger (97). Sie hat den Stadel bereits zum zweiten Mal abbrennen sehen: 1977 wütete dort schon einmal ein Feuer.

Ludwig Böhmisch war es, der den Vereinsnamen RG (Reitergruppe) Satzbach durch Bayern getragen hat - als aktiver Vielseitigkeitsreiter. Er war in den 70ern einer der ersten Landwirte, die auf Pferdebetrieb umstellten. Den Verein gibt es seit 1972. Bis dahin nannten die Hobbyreiter sich nur „Wilde Reiter-GmbH“ und waren als solche legendär. Dann aber zähmten der heuer 93-jährig verstorbene Allround-Sportler, Springtrainer und Parcourschef Max Weileder und seine als Turnierrichterin ebenfalls landesweit bekannte Frau Ilse die wilden Freizeitreiter. Die Weileders gelten als Eltern des Bayerischen Jugendvierkampfs (Schwimmen, Laufen Spring- und Dressurreiten), dessen Wiege bei ihnen und den Mitgliedern der RG Satzbach auf dem Reiterhof Böhmisch stand.

Von 18. bis 20. September ist die Ausrichtung von Verbandsmeisterschaften, heuer die der Dressurreiter Niederbayerns und der Oberpfalz, geplant. Das Reitturnier mit allen Wettbewerben wird trotzdem stattfinden - „dazu brauchen wir ja das beschädigte Gebäude nicht“, betont Hausherr Ludwig Böhmisch.

Brand eines Reiterhofes